Die nachfolgenden Beispiele sind auf das Erfahrungsfeld der Grundschule am Pfälzer Weg in Bremen begrenz; es gibt selbstverständlich eine Vielzahl weiterer Erfahrungen anderer Schulen. Der Hintergrund „Großstadt" ist bei der Darstellung nicht ausschlaggebend, denn schulübergreifende und außerschulische Kooperationen sind im Flächenland ebenso sinnvoll umsetzbar.

Grundschule als Teil des Bildungsangebots / der Bildungslandschaft einer Region

Hindernisse vorweg 

Grundschulen in Stadtbezirken arbeiten in der Nachbarschaft weiterer Grundschulen sowie Schulen der Sekundarstufe I und Sonderschulen. In ländlichen Regionen ist die nächste Schule in der Regel im Nachbarort. Nachbarschaft erfordert nicht unbedingt Kooperation oder die Notwendigkeit, sich als Verbund wahrzunehmen. Es gibt jedoch „Krisensituationen", die das Zusammenarbeiten bewegen können. Dazu zählen sinkende Schülerzahlen, die sowohl in ländlichen Regionen wie auch in Städten die Größe oder sogar die Existenz von Schulen gefährden. Davon sind, wie die Situation in den östlichen Bundesländern genauso wie in einigen westlichen belegt, insbesondere Grundschulen betroffen. Werden die Einzugsgebiete von Grundschulen geöffnet und für die Eltern zur Anwahl frei gegeben wie z. B. in Hamburg und Nordrhein-Westfalen, entstehen Konkurrenzsituationen, die unter Umständen Gewinner- und Verliererschulen schaffen.

Manche Schulen reagieren, um ihren Standort attraktiv zu machen und den Bestand der Schule zu sichern, mit der Entwicklung von besonderen Profilen, andere profitieren ohne weitere Anstrengung von ihrem Ruf, wieder andere sind eher in prekärer Lage, da sie sich in einer durch den Standort bedingten kritischen Situation befinden. Profilbildung bewirkt also durchaus Abgrenzung und Konkurrenz zu anderen Schulen. Was eher nicht daraus entsteht, sind Formen der Zusammenarbeit, die z. B. im Grundschulbereich den Kindern eine wohnortnahe Schule sichern oder bezogen auf die Sekundarstufe den Bildungsweg durchgängiger gestalten und mehr Anschlussfähigkeit herstellen. Eine bedauerliche Situation, da die Übergänge ohnehin zu wenig koordiniert sind.

Kooperationsansätze in schwieriger Lage: Beispiel aus einem Schulbezirk in Bremen

Die Auswirkungen sinkender Schülerzahlen und die Abwanderung von Schülerinnen und Schülern in andere Stadtbezirke beim Übergang in die Sekundarstufe und in die Oberstufe haben sechs öffentliche Grundschulen und eine private, ein Förderzentrum, zwei Sekundarstufen-I-Zentren, eine Gesamtschule und ein Sekundarstufen-II-Zentrum zum Anlass genommen, sich gemeinsam um die Schülerinnen und Schüler der Region zu bemühen. Die Schulleitungen treffen sich mehrmals pro Jahr zu selbstorganisierten Arbeitssitzungen und beraten organisatorische Anliegen wie Fragen des Übergangs, der Gestaltung der Elterninformationen und das gemeinsame Auftreten im Stadtteil.

Der Prozess des Vertrautwerdens brauchte Zeit, doch zwischenzeitlich gelingt schul- und stufenübergreifend sogar der Austausch zu pädagogischen Fragestellungen, z. B. zum Umgang mit verhaltensschwierigen Schülern. Von 2008 bis 2010 arbeiteten die elf Schulen des Bezirks in einem Schulbegleitforschungsprojekt zu den Themen „Übergänge" und „Migration" zusammen. Erkenntnis- und ertragreich erwies sich für alle beteiligten Schulen dabei immer wieder der stufenübergreifende Austausch. Das Wissen um Bedingungen und Vorgehensweisen in Nachbarschulen und in der angrenzenden Stufe erweitert die eigene (schul- und stufenbezogene) Perspektive und wirkt auf die Gestaltung der Übergänge.

Grundschule im sozialen Netzwerk des Schulumfelds

Kooperation Grundschule – Hort

Die Versorgung mit Ganztagsschulen ist noch nicht flächendeckend eingerichtet, die Nachmittagsversorgung ist daher an zahlreichen Standorten nach wie vor über Horte geregelt. Dabei stellt sich die Kooperation zwischen Hort und Schule anders dar als die Zusammenarbeit von sozialpädagogischem Fachpersonal und Lehrkräften im Ganztagsbereich. Die Bedingungen sind - u. a. durch verschiedene Einrichtungsträger - von räumlicher, organisatorischer und inhaltlicher Distanz geprägt. Der Hortbesuch ist ein additives Angebot, die Kinder gehen in zwei verschiedene Einrichtungen. Umso dringender ist es, zwischen den Hortmitarbeiterinnen, Hortmitarbeitern, Lehrerinnen und Lehrern Kontakte herzustellen und damit Verbindungen zwischen den Institutionen zu schaffen.
Bewährtes:

  • Schule und Hort stellen gegenseitig Telefonlisten zur Verfügung (kurze Wege).
  • Termine im Jahresablauf werden gegenseitig bekannt gegeben oder abgestimmt.
  • Namenlisten der Hortgruppen und der Schulklassen werden ausgetauscht.
  • Die Nachmittagsangebote (AG's) der Schule werden dem Hort schriftlich mitgeteilt.
  • Ein- bis zweimal im Jahr treffen sich die Einrichtungen zu gemeinsamen Dienstbesprechungen.
  • Leitungsgespräche finden statt.
  • Gesprächsthemen wie Hausaufgaben, Elternarbeit usw. werden vereinbart und (gemeinsam) bearbeitet.
  • Ein gemeinsames Spielfest/Sommerfest kann veranstaltet werden.
  • Elterngespräche werden (in Einzelfällen) gemeinsam geführt.

Kooperation mit Gremien und Einrichtungen im Schulumfeld Im Umfeld jeder Schule/Schulgemeinde trifft man auf das Engagement unterschiedlicher Arbeits- und Interessensgruppen, kultureller Einrichtungen sowie Einrichtungen, die als außerschulische Lernorte zu nutzen sind. Sich als Schule daran zu beteiligen stärkt das Ansehen im Gemeinwesen und bringt Bereicherung für den Unterricht.

Beispiele aus der Vernetzung im Bremer Stadtteil Tenever : Im Arbeitskreis Kinder treffen sich einmal im Monat alle Institutionen, die mit Kindern in Einrichtungen befasst sind wie Kindertagesstätten, Horte, Grundschulen, Schulärztlicher Dienst, Sozialarbeiter, Familienhelferinnen. Es werden Informationen ausgetauscht, Projekte und Angebote bekannt gemacht, Probleme beraten und bei Bedarf gemeinsame Aktionen initiiert.
Die Stadtteilgruppe ist ein Forum, dem alle Institutionen aus dem Bildungs- Kultur- und Sozialbereich, die Bewohner, politischen Vertreter, Initiativen aus dem Jugendbereich, Kontaktpolizisten, Vertreter von freien Trägern angehören. Etwa achtmal pro Jahr tritt dieses Gremium unter der Leitung des Quartiermanagers als eine Art Stadtteilparlament zusammen. Es werden Anregungen und Anträge bearbeitet, Beschlüsse zu Aktionen oder zur Vergabe von Projektmitteln gefasst. Davon profitieren auch die Schulen.
Daneben gibt es kulturelle und ökologische Initiativen wie Kunstprojekte, eine Umweltlernwerkstatt und einen Kinderbauernhof mit der Möglichkeit für Begegnungen mit Pflanzen und Tieren, von der Piepshow (Vogelbeobachtung) über Apfelsaftpressen und themenbezogene Spaziergänge durch Wald und Wiese.

Von zentralem Interesse ist eine Kinder- und Jugendbibliothek in fußläufig erreichbarer Nähe der Schule. Hier wird ein reichhaltiges Programm mit Bilderbuchkino, Buchausleihe und Zusammenstellung von Bücherkisten angeboten. Die Lehrkräfte besuchen regelmäßig einmal im Monat mit den Kindern die Bibliothek (eine vereinbarte Aktion im Rahmen des Schwerpunkts Lesen).

Die Zusammenarbeit mit dem Jugendamt profitiert davon, dass sich Sozialarbeiter und Schule aus der Arbeit in den Stadtteilgremien kennen.

Kooperation im Rahmen besonderer Standortfaktoren

Aufgrund der besonderen Lebensbedingungen der Schülerinnen und Schüler (über 90 Prozent haben einen Migrationshintergrund und viele leben in Armut), hat sich die Schule am Pfälzer Weg auf zwei unterrichtsergänzende Schwerpunkte festgelegt: Sport und Gesundheit. Die besonderen Bedürfnisse werden in unterrichtsergänzende Angebote für die Kinder aufgenommen. Dazu benötigt die Schule die Mithilfe von Kooperationspartnern.

Sport

Ein langjährig bewährtes Konzept betrifft den Schwimmunterricht. Die Kinder erhalten sowohl in der dritten als auch in der vierten Klasse, also zwei Jahre lang (vorgesehen ist nur ein Jahr) Schwimmunterricht. Kooperationspartner ist die Gesellschaft für öffentliche Bäder. Es gelingt trotz der geringen Vorerfahrungen der Kinder (z.B. fehlende Wassergewöhnung), dass fast alle am Ende der Grundschulzeit schwimmen können.

Weitere gesundheitsfördernde und gesundheitserhaltende Sportangebote werden in Kooperation mit einem Freien Träger angeboten. Es geht um Bewegungsförderung für motorisch auffällige Kinder, Sport für übergewichtige Kinder, Sport- und Spiel für Mädchen (besonders mit Migrationshintergrund) und Fußball für Jungen und Mädchen. Der freie Träger stellt Übungsleiterstunden zur Verfügung, welche die Schule aus Projektmitteln (Sportprofilgelder der senatorischen Behörde) finanzieren kann. Der reguläre Sportunterricht ist davon unberührt.

Nur wenige Kinder der Schule gehören einem Sportverein an, da die Eltern die Beiträge nicht aufbringen können. Daher kooperiert die Schule als Institution mit dem ortsansässigen Sportverein. In einem Tanzprojekt wurde z.B. der Übungsleiter je zur Hälfte vom Sportverein und vom Schulverein finanziert. Die Schule ist - wie viele andere Schulen in Bremen - Partnerschule von Werder Bremen. Werder Bremen engagiert sich im Rahmen eines sozialen Projekts in Bremen und im niedersächsischen Umland und bringt Kinder mit Sportarten in Berührung, zu denen sie normalerweise keinen Zugang hätten.

Kooperationen im Gesundheitsprojekt

Die schulärztlichen Eingangsuntersuchungen machen deutlich, dass die Schulanfänger in diesem Wohngebiet bereits zum Schulanfang ein hohes Kariesrisiko tragen. In Zusammenarbeit mit dem schulzahnärztlichen Dienst und der Landesarbeitsgemeinschaft für Jugendzahnpflege ist die Schule deshalb seit 15 Jahren in ein Zahngesundheitsprojekt eingebunden. Tägliches Zähneputzen nach dem Frühstück gehört zum Tagesablauf. Im Jahresablauf finden regelmäßig praxisorientierte Zahngesundheitsthemen Platz und alle Kinder werden zweimal im Jahr zahnärztlich untersucht. Sie nehmen – wenn die Eltern zugestimmt haben – an einem Fluoridierungsprogramm teil.

Damit das Anliegen nicht nur bei den Kindern verbleibt, gehört Elterninformation zum festen Bestandteil. Zu allen Elternsprechtagen und ausgewählten Elternveranstaltungen ist eine Mitarbeiterin der Landesarbeitsgemeinschaft in der Schule, spricht mit den Eltern, informiert sehr praxisnah über den Zuckergehalt von Nahrungsmitteln und den Zusammenhang mit Zahngesundheit. Zahnbürsten als kleine Geschenke runden die Aktion ab. Solch eine Initiative wäre nicht mit Schulmitteln durchzuführen.

Das Gesundheitsprojekt mit Sportangeboten und Zahnprophylaxe wird abgerundet durch Initiativen zum Schulfrühstück. Mütter bieten morgens vor Schulbeginn Kindern, die „ungefrühstückt" in die Schule kommen, ein Frühstück an. Dabei spielen neben dem gemeinsamen Essen, eine gemütliche Morgenatmosphäre und das Miteinandersprechen eine wichtige Rolle. Für die Frauen, die z. T. selbst einen Migrationshintergrund haben, bedeutet die Gestaltung des Schulfrühstücks eine sehr praktische Übung ihrer deutschen Sprachkenntnisse.

Zusätzlich bereiten einige Mütter zweimal in der Woche sogenannte Vitaminhappen in Form von Obst- und Gemüsestücken für alle Lerngruppen vor. Abwechselnd helfen Kinder der verschiedenen Lerngruppen bei der Zubereitung. Diese Vitaminhappen werden ergänzend zum Pausenfrühstück an zwei Schulvormittagen den Kindern angeboten.
Die Frühstücksinitiativen werden im Rahmen der Zusammenarbeit zwischen Eltern und Schulverein umgesetzt. Der Schulverein kümmert sich um die Anwerbung von Spenden und erledigt die Abrechnungen, die Frauen sind für die Arbeitspläne, Einkäufe und die Durchführung verantwortlich.