Den Übergang in die Grundschule gemeinsam gestalten

Einen guten Start ins Schulleben wünschen sich alle Beteiligten. So wird der erste Schultag sorgfältig vorbereitet. Die Kinder erscheinen herausgeputzt und ausgestattet mit Schultaschen nach neuestem anatomischen Standard und mit schickem Outfit, die Lehrkräfte haben eine schöne Feier organisiert und jede Menge Namenskärtchen und Listen geschrieben. Alles ist gut vorbereitet!

Wirklich alles? Geschieht der Übergang vom Elementar- in den Primarbereich, die Entwicklung vom Kindergarten- zum Schulkind so plötzlich und ausschließlich am ersten Schultag? Oder handelt es sich hierbei um einen längeren Werdegang, einen Prozess des Hineinwachsens und Großwerdens?

Keine Frage: die Auswahl der Schulsachen und die Vorbereitung der Einschulungsfeier sind wichtige Dinge, die auch viel Zeit in Anspruch nehmen. Für einen guten Schulstart gibt es jedoch noch weitere Aspekte zu berücksichtigen.

Übergänge sind Nahtstellen, die sich leicht zu Bruchstellen entwickeln können. Damit dies nicht geschieht und sie erst gar nicht zu drücken anfangen, ist es ratsam, mit Sorgfalt und Behutsamkeit vorzugehen und sich dafür Zeit zu nehmen. Eine Naht verbindet zwei Seiten miteinander und beide sind für einen guten Zusammenhalt wichtig.

So beginnen wir besser etwas früher und umfassender mit der Übergangsgestaltung. Neben Kind und Schule sind auch Kindertagesstätte und Eltern an einem Gelingen des Schulstarts beteiligt und mitverantwortlich.

Die Schule am Pfälzer Weg steht  in enger Kooperation mit dem Elementarbereich, um den Übergang in die Schule gemeinsam vorzubereiten. Im Vordergrund stehen dabei gemeinsame Aktionen zur Beteiligung der Kinder und Eltern. Aber auch dem pädagogischen Austausch zur optimalen Fortsetzung des in der KITA begonnenen Bildungsweges des Kindes wird Raum gegeben.

All dies beginnt wir nicht erst kurz vor der Einschulung. Durch viele Rituale und Absprachen, durch erst kurze und mit der Zeit immer intensivere und dichtere Kontakte zwischen KITA und Schule werden die Kinder vom Anfang ihrer Kitazeit an langsam an den schulischen Alltag herangeführt.  Ein Rahmen, der den Kindern Zeit und Raum gibt für Entwicklung, für Hineinwachsen und Großwerden.

 Zur Situation unserer Schule

Die meisten unserer Schulanfangskinder besuchen vor ihrem Schuleintritt das Kinder- und Familienzentrum Regenbogenhaus, welches mit dem Schulgebäude räumlich verbunden ist. Dies sind hervorragende Bedingungen für eine Zusammenarbeit und so verbindet uns mit dieser Institution eine besonders enge Kooperation.

Das Regenbogenhaus unterhält zwei Außengruppen, die räumlich jeweils getrennt  im Stadtteil untergebracht sind. Auch mit diesen Gruppen pflegen wir eine intensive Zusammenarbeit.

Der Kontakt zu weiteren Kindergärten, die unsere Schulanfänger vor der Einschulung besuchen, fällt unterschiedlich aus. Alle KITAs im Bezirk werden zum jährlich vor den Sommerferien stattfindenden Übergabegespräch eingeladen. Selbstverständlich erhalten die Kinder eine Einladung zum Hospitationstag. Die Kinder kommen dann mit Erzieherinnen und anderen Kindern aus der Einrichtung oder in Begleitung ihrer Eltern. Die Mitarbeiterinnen des ZuP (Zetrum für unterstützende Pädagogik) nehmen ca. zum Halbjahreswechsel Kontakt mit den Kindertageseinrichtungen auf, um in den Einrichtungen, aus denen mehrere Kinder aufgenommen werden, zu hospitieren.  Es gibt einen  telefonischen Austausch mit den abgebenden Kolleginnen in Eirnrichtungen außerhalb des direkten Einzuggebietes. So lernen sie frühzeitig den Einschulungsjahrgang kennen und können Hilfen für den Übergang und den Schulanfang initiieren.

Und noch eine wichtige Gegebenheit darf nicht unerwähnt bleiben, da sie für einen fließenden Übergang der Kinder ganz erhebliche Auswirkungen hat: die Schule am Pfälzer Weg arbeitet in jahrgangsübergreifenden Lerngruppen 1/2 und 3/4. Das erleichtert das Hineinwachsen der Schulanfangskinder zunächst dadurch, dass sie die gemischten Gruppen aus der Kita kennen. Des Weiteren haben die Neuen von Anfang an ein großes Schulkind zur Seite, von dem sie beim Zurechtfinden und Einleben in den Schulalltag Unterstützung bekommen können. Die Kinder akzeptieren diese Rollenverteilung und es ergibt sich ein weiterer positiver Effekt: der Positionsfindung in der Gruppe wird damit eine Menge Brisanz genommen.

Auch am Hospitationstag kurz vor den Sommerferien in der zukünftigen Lerngruppe und natürlich in den ersten Schulwochen sind Lehrkraft und neue Kinder nicht allein auf sich gestellt. Die „alten“ Schulanfangskinder leben die Abläufe und Regeln im Schulalltag vor und die neuen wachsen schnell und ohne großen zusätzlichen Einführungsaufwand hinein. Die Schulanfangskinder sind nicht so sehr auf die eine Person, hier die Lehrkraft fixiert – eine Entlastung für alle Beteiligten.

Zudem freuen sich die „alten“ auf ihre Rolle als Große und stehen als Helferinnen und Helfer gerne zur Verfügung. Ihr Lernvorsprung - und sei es das Auskennen im Schulgebäude - wird ihnen an dieser Stelle sehr bewusst, das stärkt das Selbstbewusstsein und gibt neue Motivation.

 Patengruppen

Wir haben feste Patenschaften zwischen unseren Lerngruppen und den Gruppen im Kindertagesheim. Über das Schuljahr verteilt gibt es einzelne oder auch regelmäßige Anlässe für gemeinsame Aktivitäten. Zum Teil erwachsen diese Anlässe aus dem Unterrichtsgeschehen, sodass keine große zusätzliche Vorbereitung anfällt und die Aktionen mit relativ wenig Aufwand organisiert werden können. Dies kann zum Beispiel eine Projektpräsentation sein oder die Generalprobe einer geplanten Aufführung, zu der die Patengruppe eingeladen wird. Bewährt haben sich auch regelmäßige Aktionen, die durch ihre Ritualisierung nicht ständig neuer Absprachen bedürfen und ein Minimum an zusätzlichem Zeitaufwand brauchen. Als Beispiel sei hier die regelmäßige Vorleseaktion genannt: an einem festgelegten Wochentag lesen zwei Schulkinder der Kitagruppe vor, dies kann in den Räumlichkeiten der Kita stattfinden oder genauso in der Schule. Diese Aktion ist sehr begehrt bei den Schulkindern. Sie sind sehr motiviert, ihre Lesekünste vorzutragen und auch dafür zu üben. Diese Aktivitäten finden noch im Schonraum der Kitagruppe statt.  Alle Kitakinder können hierbei beteiligt werden und die ersten Kontakte zu Schule bekommen.

 Mögliche Aktivitäten mit den Patengruppen im Lauf des Schuljahres

  • Schulkinder gehen regelmäßig zum Vorlesen in die Kita
  • Kitakinder kommen regelmäßig zum Vorlesen in die Schule
  • Kitakinder werden zur Präsentation eines Projektes eingeladen
  • Schulutensilien werden von den Schulkindern in der Kita vorgestellt
  • Schulkinder beantworten in der Kita die Fragen der zukünftigen Schulkinder

 Aktivitäten mit allen Schulanfangskindern

  • Besichtigung des Schulhauses am Nachmittag
  • Teilnahme an der Hofpause
  • Hospitationstag in der zukünftigen Lerngruppe
  • Einladungsschreiben von den „großen“ Kindern der Lerngruppe unterschrieben

Gemeinsame Informationsarbeit von Erzieherinnen und Lehrkräften

Im Lauf des Schuljahres gibt es zusätzlich feste Punkte, an denen das pädagogische Personal gemeinsame Aktivitäten veranstaltet.

Zunächst lädt die Kindertagesstätte noch vor der Schulanmeldung zu einem gemeinsamen Elterninformationsabend ein. Auch Eltern fühlen sich im bekannten Rahmen der Kita sicherer und können mit eventuellen Ängsten besser umgehen, zumal an unserem Standort Sprachbarrieren ein Hemmnis sein können. Neben der Vorbereitungszeit in den Kitagruppen und der Vorstellung der Schule werden die Aktivitäten zum Übergang gemeinsam vorgestellt und die Fragen der Eltern beantwortet. Die Informationen für den Schuleintritt sind zwischen den Institutionen abgestimmt, Missverständnissen kann vorgebeugt werden und die Eltern erfahren eine Informationssicherheit.

Eine sehr bewährte Aktion ist die Beteiligung der Erzieherinnen an der Einteilung der zukünftigen Schulkinder in die Lerngruppen. Die Kolleginnen dort werden gebeten, ihre Schulanfangskinder in kleine Gruppen einzuteilen (die Gruppengröße richtet sich  nach der Anzahl der abzugebenden Kinder). Die Erzieherinnen kennen ihre Kinder und können folgende Absprache bei der Einteilung berücksichtigen: Kinder, die sich gut verstehen und gerne zusammen in eine Lerngruppe kommen möchten, bleiben zusammen. Kinder, die häufig miteinander Konflikte haben oder sich gegenseitig hemmen, kommen in verschiedene Lerngruppen. Dies geschieht etwa Ende April/Anfang Mai.

Diese Kleingruppen aus den verschiedenen Kitas werden den künftigen Lerngruppen 1/2 so zugeordnet, das Gruppengröße und Mädchen-/Jungenverhältnis stimmig sind.

Kurz vor den Sommerferien lädt die Schule die abgebenden Kolleginnen aus den Kitas zu einem Austauschnachmittag ein. Die abgebenden und die aufnehmenden Kolleginnen oder Kollegen führen zu den einzelnen Kindern Übergabegespräche durch. Das Einverständnis der Eltern natürlich vorausgesetzt, dies wird in der Regel bei der Schulanmeldung eingeholt.

Positiv hierbei wirkt neben dem Austausch wichtiger Hintergrundinformationen auch die Tatsache, dass Erzieherin und Lehrkraft sich spätestens bei dieser Aktion persönlich kennen lernen. Eine gute Basis für einen gegenseitigen Austausch und ein Rahmen zur gegenseitigen Würdigung der Arbeit.

Aktivitäten mit dem pädagogischen Personal von Kita und Schule

  • Gemeinsamer Informationsabend für die Eltern vor der Schulanmeldung
  • Einteilung der Schulanfangskinder zu den Lerngruppen wird von den Tageseinrichtungen vorbereitet
  • Übergabegespräche zum einzelnen Kind, mit dem Einverständnis der Eltern oder gemeinsam mit den Eltern
  • Teilnahme der Kita-Mitarbeiterinnen an der Einschulung

 Besonderheiten an unserer Schule

Gemeinsame Regeln und Rituale zum Umgang miteinander erleichtern das friedliche Auskommen in Kita und Schule ungemein. Vor allem, wenn Kinder so früh wie möglich einheitliche Grundregeln wie den Einsatz des „Stopp-Zeichens“ kennenlernen und beim Übergang mitnehmen können und nicht gänzlich neue Formen erlernen müssen.

Zu guter Letzt feiern Schule und Kindertagesheim ein gemeinsames Fest. Jedes Jahr kurz vor den Sommerferien findet unser Spielefest statt. Auch das ist über viele Jahre ritualisiert, d. h. der Ablauf immer gleich, die Zuständigkeiten unter den Kolleginnen und Kollegen geklärt und die Vorbereitung daher minimal. Die Lehrkräfte aus den Gruppen 1/2 erfahren hier noch ein besonderes Highlight der gemeinsamen Arbeit: die jüngsten Schulkinder kennen Ablauf und Organisation des Festes schon aus ihrer Kitazeit und bedürfen keiner langen Erklärungen mehr.

 Aktivitäten zwischen Kinder- und Familienzentrum Regenbogenhaus und Schule am Pfälzer Weg

  • Gemeinsame Regeln, die im Haus und auf dem Freigelände gelten (z.B. das Anwenden und Einhalten der Stopp-Regel bei Konflikten)
  • Austausch der Kolleginnen und Kollegen in einer übergreifenden Arbeitsgruppe, Leitungssitzungen, im Rahmen von Hospitationen
  • Organisation und Durchführung einer gemeinsamen Projektwoche
  • Veranstaltung gemeinsamer Feste (z.B. Fasching, Spielefest)

Nach der Einschulung

Und wie heißt es in einem bekannten Kinderlied so passend: „Und dann, und dann fängt das ganze schon wieder von vorne an.“ Nach der Einschulung ist auch gleich wieder vor der Einschulung.

Hier schließt sich der Kreis: Die „Neuen“ verlieren durch die gemeinsamen Aktivitäten auch nach der Einschulung nicht ganz den Kontakt zur Kita, die Lösung vollzieht sich behutsam und sie werden schrittweise in ihre Rolle als Große hineinwachsen und ihre Erfahrungen an die nachfolgenden Kinder gerne und stolz weitergeben.