Ein Erfahrungsbericht

Zur Lage unserer Schule

Unsere Schule am Pfälzer Weg liegt im Bremer Stadtteil Tenever. Die Bevölkerung wird als arm, bunt und jung beschrieben. Mehr als 20 verschiedene Nationen mischen sich hier und für über 90 % der Grundschulkinder ist Deutsch eine Fremdsprache. Sehr viele Kinder des Stadtteils müssen mit besonderen Belastungen zurechtkommen. Dazu zählen unter anderem eingeschränkte Möglichkeiten, kulturelle Angebote und Freizeitangebote wahrzunehmen und gute qualitätsvolle Kinderbücher, Arbeitsmaterialien, Spielsachen und Bekleidung anzuschaffen. Die Erfahrungsräume der Kinder sind zum Teil nur eng auf ihr direktes Umfeld und auf Medien bezogen.

Die Eltern stammen eher aus bildungsfernerem Milieu und sind teilweise in unserer Kultur noch nicht sehr erfahren.
Besonders wichtige Aufgaben für Bildungseinrichtungen an diesem Standort sind zum einen, Kindern wesentliche Erfahrungen zu ermöglichen und zum anderen, Eltern möglichst miteinzubeziehen. Dazu gehören auch Erfahrungen, die in direktem Zusammenhang mit der Bedeutung von Bildung in unserer Kultur stehen, Erfahrungen, dass eigene Lernprozesse aktiv beeinflusst werden können, Erfahrungen mit dem passenden Handwerkszeug dazu. Gelingt zusätzlich das Einbeziehen der Eltern und das Aufzeigen ihrer wichtigen Rolle, die sie bei der Gestaltung des Bildungsprozesses ihrer Kinder einnehmen, können den Kindern vielfältigere Möglichkeiten und größere Chancen eröffnet werden.

So begann es

Den Weg selbstgesteuertes Lernen der Kinder bewusster zu fördern und über ein schuleinheitliches Konzept nachzudenken, beschreitet unser Kollegium seit mehreren Jahren. Die Diskussion wurde im Sommer 2007 über das Projekt „Lehrer im Team – Qualitätsentwicklung an der Schule" von der Robert Bosch Stiftung neu angeregt. Eines der Themenangebote lautete „Neue Formen der Leistungsrückmeldung und Lernentwicklungsgespräche". Unter den vielfältigen Ansatzpunkten unterschiedlicher Schulformen und Schulstufen, die sich im Rahmen des Projekts präsentierten, fanden sich auch Landkarten des Lernens aus dem Grundschulbereich. Diese Landkarten zeigten eine Form, Kindern und auch ihren Eltern den eigenen Lernweg visuell zu verdeutlichen, ihnen den jeweils aktuellen Stand aufzeigen zu können und mit ihnen darüber ins Gespräch zu kommen.
Der Ansatz war für uns aus folgenden Gründen sehr interessant:

  • Die Grundschule am Pfälzer Weg erteilt keine Zensuren und die Lerndokumentation erfolgt über Lernentwicklungsraster und -beschreibungen, deren Vermittlung an Elternsprechtage gekoppelt ist. Bei den Eltern an unserem Standort sind Sprachbarrieren zu berücksichtigen, eine visuelle Unterstützung bietet hier gute Möglichkeiten pädagogische Anliegen besser vermitteln zu können, besser ins Gespräch zu kommen.
  • Die Grundschule am Pfälzer Weg unterrichtet die Kinder in jahrgangsübergreifenden Lerngruppen 1/2 und 3/4, es gibt kein gleichschrittiges Lernen, selbständige Arbeitsformen und individuelle Lernwege stehen im Vordergrund. Das Sichtbarmachen des Lernwegs bietet eine gute Dokumentationsmöglichkeit für alle Beteiligten (Lehrkräfte, Kinder, Eltern) und die Möglichkeit das selbständige Arbeiten der Kinder zu unterstützen.
  • Der schon länger gehegte Wunsch, den Kindern die Möglichkeit für mehr Selbstbestimmung und Selbstverantwortung im Lernprozess einzuräumen und ihnen die Lernziele und den Lernweg transparenter zu machen, schien mit diesem Ansatz umsetzbar zu werden. Dabei bieten die kindgerechte Darbietung des Lernwegs und die visuelle Präsenz der Lernziele die Möglichkeit, den Kindern ihren jeweiligen Lernstand verständlich rückzumelden und sie immer wieder auf das Ziel zu beziehen. So können auch junge Kinder schon den Zusammenhang von Lernstand, Lernweg und Lernziel erfahren.

Aus dem erwähnten Projekt „Lehrer im Team" entstand außerdem eine Arbeitsgruppe interessierter Kolleginnen und Kollegen verschiedener Schulen, die in einem Schullabor der Robert Bosch Stiftung ihre Erfahrungen zum Einsatz von Lernlandkarten im Unterricht austauschen. Dieser Austausch hat unseren Weg ein Stück begleitet.

Lernlandkarten

Eine Lernlandkarte hat die Funktion, den eigenen momentanen Lernstand und/oder den Lernweg zu visualisieren. Dazu ist es erforderlich, die Lernziele zu kennen.
Es gibt sehr verschiedene Ansätze, Lernlandkarten zu gestalten. Vom Zweck des Einsatzes ist der Ansatz abhängig. Soll es eine Momentaufnahme sein? Soll die Lernlandkarte einen Entwicklungsverlauf darstellen? Soll sie fortlaufend weitergeführt werden? Ebenso ist zu berücksichtigen, wie viel Zeit zur Anfertigung zur Verfügung steht, wie alt die Schüler sind, welche Vorerfahrungen sie haben und wie groß die Gruppe ist, mit der die Lernlandkarten erstellt werden sollen. Wir haben unterschiedliche Formen ausprobiert, die hier kurz vorgestellt werden. Die Durchführung erfolgte immer mit allen Kindern einer Lerngruppe. Für die Anfertigung wurden etwa zwei Unterrichtsstunden benötigt. Die Kinder durften sich gegenseitig unterstützen, was vor allem beim Lesen und Verstehen der vorgegebenen Lernzielformulierungen für die ganz jungen Kinder sehr hilfreich und auch anregend war.

  • Freie Lernlandkarten: ganz ohne Vorgaben durfte jedes Kind auf einem leeren DIN-A3-Papier zeichnen, schreiben, notieren (es entstanden Kontinente, Themenhäuser, Inseln ...). Die Lernziele waren zuvor besprochen worden.
  • Vorgabe von Lernzielformulierungen: erreichte Lernziele wurden auf einem leeren DIN-A3-Papier frei angeordnet und aufgeklebt (es entstanden Wege, Inseln...)
  • Vorgabe der Lernzielformulierungen und der Kategorisierung in Form von Inseln mit den Einschätzungen „Das kann ich schon gut. Das muss ich noch üben. Dabei brauche ich noch Hilfe": Die Lernziele wurden von den Kindern nach den drei Kategorien eingeteilt, hilfreich erwies sich dabei folgende Vorgehensweise: die Kinder färbten die Lernziele nach dem Lesen zunächst ein (z.B. grün für „das kann ich schon gut", gelb für „das kann ich noch üben", rot für „dabei brauche ich noch Hilfe"), ordneten sie dann den entsprechend benannten Inseln zu und klebten sie auf.

Bei der Gestaltung der freien Lernlandkarten waren die jungen Kinder oft noch überfordert, das gestalterische Element lenkte eher vom eigentlichen Sinn und Zweck ab. Die größeren Kinder konnten ihren Lernstand besser strukturieren und visuell darstellen.
Vor allem die jüngeren Kinder konnten bei der vorgegebenen Insel-Kategorisierung ihren Stand auf dem Weg zum Ziel am besten erkennen und einordnen.
Lernlandkarten erwiesen sich in der Praxis als sinnhafter Anlass, um mit dem Kind ins Gespräch zu kommen über Lernweg, Lernstand und zu erreichendes Lernziel.
Lernlandkarten sollten in den Unterricht eingebunden sein. Dazu gehört die Präsenz der Lernziele ebenso wie die Förderung von Selbstverantwortung der Kinder für das eigene Lernen und das Üben von Selbstreflexion.

Lernlandkarte Lerngruppe 1/2, vorgegebene Lernzielformulierungen und Kategorisierung
Lernlandkarte Lerngruppe 1/2, vorgegebene Lernzielformulierungen und Kategorisierung
Lernlandkarte 3/4, ohne Vorgabe frei gestaltet
Lernlandkarte 3/4, ohne Vorgabe frei gestaltet

Lerntagebuch

Ein Lerntagebuch und ein Freitagszettel
Ein Lerntagebuch und ein Freitagszettel

Neben Lernlandkarten ist die den Unterrichtsalltag begleitende Reflexion ein wichtiges Instrument selbstgesteuertes Lernen zu unterstützen. An unserer Schule werden verschiedene Formen von Reflexion über Lernen praktiziert. Über die mündliche Reflexion am Ende eines Schultages oder eines Projektes (z.B. „Das habe ich heute gelernt", „Das ist dir gut gelungen") den Freitagszettel („So war die Woche für mich", kleine schriftliche Rückmeldung der Lehrkraft), das Notieren der selbst ausgesuchten Arbeit („Daran habe ich gearbeitet") entwickelte ich für meine Gruppe das sogenannte Lerntagebuch.

Nach der täglichen freien Arbeitszeit tragen die Kinder ein, woran sie gearbeitet haben. Für Schulanfängerkinder ist dies nicht immer einfach. Die erste Hürde „Ich kann doch noch gar nicht schreiben" will gemeistert sein und ist eine der ersten aktiven Auseinandersetzungen mit dem Thema Lerndokumentation. Kinder finden meist recht schnell eine Form der Notation, die allgemein verständlich ist, für sie selbst, die Lehrkraft, die Eltern. Für besonders schwierige Mitteilungen können sich ein im Schreiben fortgeschritteneres Kind oder die Lehrkraft als Schreibhilfe anbieten.

Schwierig ist für Kinder, die neu dabei sind, zuweilen das Erinnern „Was habe ich gemacht? Wie heißt das? Was kann ich dabei lernen?", auch dies bedeutet ein Stück Auseinandersetzung mit dem Lerngegenstand und trägt zur Bewusstmachung des Lernvorgangs bei.

Am Ende der Woche erfolgt ein Rückblick. Die Kinder erfahren hierbei sogleich den Informationsgehalt der eigenen Notizen der vergangenen Woche. Hinzu kommen die gemeinsam zusammengetragenen Geschehnisse der weiteren Unterrichtszeiten. Nicht für alle Kinder ist es gleich selbstverständlich, hier zwischen Schulgeschehen und Freizeitgeschehen zu unterscheiden – auch hier ist für manche Kinder ein Lernschritt zu bewältigen.

Da Lernen auch immer mit der Gefühlsebene verknüpft ist, sollte dieser Bereich auf jeden Fall einen entsprechenden Raum erhalten. Berücksichtigung findet dies in der Zeile „Die Woche war für mich: ..." und ist durch Auswahl eines entsprechenden Piktogramms anzugeben und mit einem Satz zu begründen. Gerade jüngere Kinder können daraus Unterstützung über ein klärendes Gespräch mit der Lehrkraft und Impulse für die weitere Arbeit und damit für bessere Lernvoraussetzungen bekommen. Positive und förderliche Faktoren können gestärkt oder manifestiert werden. Störende Faktoren können gemeinsam bearbeitet, behoben oder sogar verändert werden, wie z.B. über Anregungen für die Arbeitsorganisation des Kindes.

„Darauf bin ich stolz" und „Das nehme ich mir vor" helfen bei der Reflexion von Lernerfolgen und sind ein Schritt zur selbstgesteuerten Lernplanung. Die Erkenntnis des Zusammenhangs von emotionalen Befindlichkeiten und Lernprozess kann angebahnt werden, ebenso das bewusstere Setzen von Zielen und deren Berücksichtigung im Lernprozess.
Ein weiterer Bereich in diesem Lerntagebuch ist der Platz für eine Rückmeldung der Lehrkraft. Diese Mitteilung ist persönlich für das Kind bestimmt und wird auch mit ihm besprochen. Sie kann Grundlage für ein kleines Lerngespräch sein und ist am aktuellen Lernprozess des Kindes sowie den momentanen Begleitumständen orientiert und kann immer wieder den Bezug zu den Lernzielen herstellen.

Andere Form des Freitagszettels Lerntagebuch Kind A
Andere Form des Freitagszettels Lerntagebuch Kind A

Lerntagebuch Kind B
Lerntagebuch Kind B
Lerntagebuch Kind C
Lerntagebuch Kind C

Erklärungen:

R 5 bedeutet Rätselheft 5, Ferkel Flink oder kurz FF steht für unsere Mathematikhefte
Jede Woche hat eine festgelegte Farbe (hier blau) zur besseren Orientierung im Heft und in der Zeit

Kindersprechtag

Als Resultat unseres Wunsches, die Kinder mehr einzubeziehen, haben wir an der Schule am Pfälzer Weg einen Kindersprechtag eingerichtet. Die Kinder erfahren sich hier als wichtige Person für ihr Lernen und fühlen sich ernst genommen.

  • Zwei Kindersprechtage im Schuljahr dienen der Reflexion des Lernstands und des Lernprozesses. Die Termine sind in der Jahresplanung der Schule fest verankert (nach den Herbstferien und vor den Osterferien).
  • Gesprächsgrundlage ist ein Reflexionsbogen, den Kind und Lehrkraft jeweils unabhängig voneinander ausfüllen und dann gemeinsam diskutieren.
  • Am Ende wird eine Vereinbarung getroffen (ein neues bzw. nächstes Lernziel, eine Regelvereinbarung, ein Hilfesystem ....).
  • Die Durchführung und der Ablauf des Kindersprechtages sind für alle Kinder und alle Lehrkräfte verabredet.

Vorbereitungsbögen zum Kindersprechtag

Die Lernlandkarten würden sich wie oben erwähnt als gute Gesprächsbasis für ein Lerngespräch z. B. am Kindersprechtag eignen. Aus folgenden Gründen haben wir uns aber zunächst für eine andere Form entschieden:
Ausgangslage für unsere Schule war der Konsens darüber, ein einheitliches Instrument zur Reflexion zu finden, welches für alle Kinder und Lehrkräfte möglichst schnell und einfach einsetzbar war. Manche Lehrkräfte und Kinder hatten bereits regelmäßige aber unterschiedliche Erfahrungen mit Lernreflexionen, andere eher weniger. Es galt, sie alle miteinzubeziehen. Die Bögen sind deshalb bewusst einfach gehalten und haben eine identische Grundstruktur. Es gibt nur geringe Unterschiede für die Lerngruppen 1/2 und 3/4, die in der Erweiterung und Differenzierung der Angaben für die Älteren liegen.

  • Für die Kinder ist dieser Bogen zunächst ein Instrument, mit dessen Hilfe sie sich den eigenen Lernstand, das Lern- und Arbeitsverhalten und ihre sozialen Kompetenzen bewusst machen sollen mit den Fragen Wie viel habe ich gelernt? Wo stehe ich? Wie nah bin ich am Ziel? (Selbstreflexion).
  • In dem Gespräch erhält das Kind die Rückmeldung durch die Lehrkraft zum Lernstand und Lernprozess. Gemeinsam wird ein individuelles nächstes Ziel formuliert.
  • Die Bögen vom Kindersprechtag werden in einem Ordner im Gruppenraum gesammelt und bieten jederzeit die Möglichkeit, Wichtiges für den aktuellen Lernprozess nachzulesen. Am Ende der Grundschulzeit ist so für jedes Kind eine Dokumentation über die Lernentwicklung entstanden.

Vorbereitungsbogen zum Kindersprechtag, Lerngruppe 1/2
Vorbereitungsbogen zum Kindersprechtag, Lerngruppe 1/2

Vorbereitungsbogen zum Kindersprechtag, Lerngruppe 3/4
Vorbereitungsbogen zum Kindersprechtag, Lerngruppe 3/4

Flurplakate

Wenn Kinder ihren Lernstand selbst einschätzen und ihren Lernweg selbstverantwortlich mitgestalten sollen, müssen sie Kenntnis über die zu erreichenden Lernziele haben. Die Visualisierung der Lernziele in für Kinder verständlicher Form war eine Aufgabe für das Kollegium. Die Ziele konnten nicht einfach aus dem Lehrplan abgeschrieben werden. Kindgerechte Formulierungen und die Ausgestaltung mit Piktogrammen oder Beispielaufgaben sind für den Einsatz im Grundschulbereich selbstverständlich.

  • Anhand des Bremer Lehrplans wurden in den Teamsitzungen der Lerngruppen 1/2 und der Lerngruppen 3/4 Flurplakate entwickelt für die Lerninhalte in Deutsch, Mathematik und Arbeits- und Sozialverhalten. Sie sollen Kindern und Eltern Orientierung über Ziele und Inhalte geben.
  • Die Inhalte der Flurplakate werden auch in den Klassenräumen als Mittel zur Orientierung für die Lernprozesse eingesetzt. Dafür wurden die Lerninhalte teilweise noch einmal differenzierter beschrieben. Diese Zusatzinformationen sind für die Hand der Lehrkräfte gedacht, zur detaillierteren Erläuterung der Lernziele.

Beispiel Flurplakat zum Fach Mathematik, Lerngruppe 1/2
Beispiel Flurplakat zum Fach Mathematik, Lerngruppe 1/2

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Flurplakat
Flurplakat

Ausblick

Beispiel Flurplakat zum Fach Mathematik, Lerngruppe 3/4
Beispiel Flurplakat zum Fach Mathematik, Lerngruppe 3/4

Der Entwicklungsprozess an der Grundschule am Pfälzer Weg ist noch nicht abgeschlossen.
Auf unserem Weg zum selbstgesteuerten Lernen der Kinder haben wir folgende nächste Schritte geplant:

  •  Die Flurplakate gehen jetzt in einen einjährigen Praxistest. Danach wird resümiert und besprochen, an welchen Stellen eventuell Nachbesserungs-bedarf (Übersichtlichkeit, Verständlichkeit u.a.) besteht. Die Rückmeldungen der Kinder sind dabei für uns wichtig.
  • Die Diskussion über eine den Unterrichtsalltag begleitende Form der Selbstreflexion und Selbsteinschätzung der Kinder beim täglichen Lernen wird uns noch eine Weile beschäftigen.
  • Es steht weiterhin in der Diskussion, wie mit den Sammelmappen für die Kindersprechtagsbögen weiterverfahren werden soll. Es gibt den Vorschlag, die Sammelmappe zum Portfolio weiter zu entwickeln.
  • Ein weiteres Ziel besteht darin, das Materialangebot und die Lerninhalte in der Lernraumgestaltung enger miteinander zu verzahnen. Der Bezug des Lernziels (Das will ich lernen) zum auszuwählenden Material (Damit kann ich das Gewünschte lernen) soll auf diese Weise noch klarer strukturiert und gekennzeichnet werden und das individuelle Lernen für die Kinder erleichtern. Eine gut strukturierte Präsenz der Lernmittel kann ebenso die unterstützende Arbeit der Lehrpersonen erleichtern.

Nach unseren Erfahrungen kann die Schule die Kinder auf dem Weg zum selbstgesteuerten Lernen gut unterstützen. Lernlandkarten, Lerntagebücher und Kindersprechtage zeigten sich im bisherigen Einsatz an unserer Schule als handhabbare Instrumente für Kinder, Lehrkräfte und Eltern. Kinder setzen sich früher und intensiver mit dem eigenen Lernen auseinander und übernehmen mehr Verantwortung dafür, Lehrkräfte erhalten Anlässe für lernbegleitende Gespräche mit dem Kind und Eltern können eine bessere Einsicht in den Lernweg ihres Kindes gewinnen.

Selbstgesteuertes Lernen kann nicht isoliert betrachtet werden, es geht mit Veränderungen der Unterrichtspraxis und der Lehrerrolle einher und bedeutet:

  • Öffnung des Unterrichts
  • Transparenz der Lernziele
  • Akzeptieren und Fördern der Selbstverantwortung des Kindes
  • Änderung der Lehrerrolle zum Lernbegleiter
  • Lerngespräche mit dem Kind
  • Lernbegleitende Leistungsreflexion und damit verbundene individuelle Leistungsrückmeldungen können dann zielgerichtetes Lernen unterstützen und die Basis für eine effektivere Förderung des einzelnen Kindes schaffen.

Lehrkräfte und Eltern sollten sich bewusst machen, es als Hilfe zu verstehen, wenn Kinder ihr eigenes Lernen selbst in die Hand nehmen können. Vertrauen ist eine wesentliche Grundlage dafür. Kindern bietet sich dann die Chance, ihren eigenen Lernweg zu finden.
Wer das Ziel kennt, kann den Weg dahin besser finden und beschreiten.