Bericht über den Verlauf des Vorhabens an der GS am Pfälzer Weg in Bremen

Im Prozess der Entwicklung zum selbstverantwortlichen Lernen an der Grundschule am Pfälzer Weg haben Lernlandkarten einen wirkungsvollen Impuls gegeben. Sie waren Ausgangspunkt für die Entwicklung eines Gesamtkonzeptes zu Leistungsrückmeldung und Lernentwicklungsgesprächen und zu Wegen für mehr Selbstverantwortung und Selbstbestimmung der Kinder im Lernprozess.

Folgende Bedingungen, die nach wie vor Gültigkeit haben, bestimmten die Ausgangssituation:

  • Die Grundschule am Pfälzer Weg erteilt keine Zensuren und die Lerndokumentation erfolgt über Lernentwicklungsraster und -beschreibungen, deren Vermittlung an Elternsprechtage gekoppelt ist. Bei den Eltern am Standort sind Sprachbarrieren zu berücksichtigen, eine visuelle Unterstützung bietet hier gute Möglichkeiten pädagogische Anliegen besser vermitteln zu können und besser ins Gespräch zu kommen.
  • Die Grundschule am Pfälzer Weg unterrichtet die Kinder in jahrgangsübergreifenden Lerngruppen 1/2 und 3/4, es gibt kein gleichschrittiges Lernen, selbständige Arbeitsformen und individuelle Lernwege stehen im Vordergrund. Das Sichtbarmachen des Lernwegs bietet eine gute Dokumentationsmöglichkeit für alle Beteiligten (Lehrkräfte, Kinder, Eltern) und die Möglichkeit das selbständige Arbeiten der Kinder zu unterstützen.

Prozessverlauf

Bei einer Tagung zum Projekt „Lehrer im Team" entsteht von Kolleginnen mehrerer Schulen die Idee gemeinsam an einem Vorhaben „Lernlandkarten" (LLK) weiter zu arbeiten. Der weitere Prozess gestaltet sich wie folgt:

  • Vorstellung der Idee LLK in der Gesamtkonferenz im Sommer 2007
  • Beratung in den Stufenteams der Lerngruppen 1/2 bzw. 3/4
  • Exemplarische Erprobung von LLK in zwei Lerngruppen mit jeweils allen Kindern. Es wurden verschiedene Formen ausprobiert (freie LLK ohne Vorgaben, LLK mit Vorgabe von Lernzielformulierungen, LLK mit Vorgabe von Lernzielformulierungen und der Kategorisierung in Form von Inseln mit den Einschätzungen „Das kann ich schon gut. Das muss ich noch üben. Dabei brauche ich noch Hilfe."
  • Daneben entwickelte das Team 3/4 „Blütenblätter" zur Visualisierung von Lernzielen
  • Durchführung von Reflexionsphasen und Einsatz von Lerntagebüchern
  • Bewerbung für das Schullabor in 2009
  • Beschluss in der Gesamtkonferenz zur Durchführung von Kindersprechtagen (Schuljahr 2009/2010)
  • Schulinterne Lehrerfortbildung zum Thema LLK im November 2009 mit externer Unterstützung
  • Einrichtung einer Arbeitsgruppe zur Vorbereitung des Kindersprechtages
  • Diese erarbeitete einen Reflexionsbogen als Gesprächsgrundlage zum Kindersprechtag (s. Anhang), der von der Gesamtkonferenz zustimmend angenommen wurde.
  • Dieser Bogen wird von Kind und Lehrkraft jeweils unabhängig voneinander ausgefüllt. Für die Kinder ist der Bogen zunächst ein Instrument, mit dessen Hilfe sie sich den eigenen Lernstand, das Lern- und Arbeitsverhalten und ihre sozialen Kompetenzen bewusst machen sollen.
  • Beschluss in der Schulkonferenz zum Kindersprechtag
  • Durchführung des ersten Kindersprechtages im April 2010 auf der Grundlage des Reflexionsbogens. In dem Gespräch erhält das Kind die Rückmeldung zu Lernstand und Lernprozess durch die Lehrkraft. Gemeinsam wird ein individuelles nächstes Ziel formuliert. Die Bögen werden in Mappen gesammelt als Dokumentation der Lernentwicklung.
  • Reflexion des Kindersprechtages in den Jahrgangsteams und in einer Fachkonferenz im Mai 2010
  • Zwei Schülersprechtage im Schuljahr 2010/2011
  • Gesamtkonferenz, Elternbeirat und Schulkonferenz stimmen zu.
  • Entwicklung von Flurplakaten über die Lerninhalte für Deutsch, Mathematik und Arbeits- und Sozialverhalten in den Stufenteams der Lerngruppen 1/2 bzw. 3/4, die Lerninhalte werden schriftlich und durch Piktogramme dargestellt.
  • Die Flurplakate werden durch „Kompetenzkarten" (Items als Kartei) in den Lerngruppen ergänzt.

Der Entwicklungsprozess an der Grundschule am Pfälzer Weg ist noch nicht abgeschlossen. Auf dem Weg die Kinder zu mehr selbstgesteuertem Lernen zu führen, hat das gesamte Kollegium folgende nächste Schritte geplant:

  • Die Flurplakate gehen jetzt in einen einjährigen Praxistest. Danach wird resümiert und besprochen, an welchen Stellen eventuell Nachbesserungsbedarf (Übersichtlichkeit, Verständlichkeit u.a.) besteht. Die Rückmeldungen der Kinder sind dabei für uns wichtig.
  • Die Diskussion über eine den Unterrichtsalltag begleitende Form der Selbstreflexion und Selbsteinschätzung der Kinder beim täglichen Lernen ist weiterhin im Gang. Wünschenswert ist eine einheitliche Form und abgestimmte Durchführung.
  • Es steht weiterhin in der Diskussion, wie mit den Sammelmappen für die Reflexionsbögen zum Kindersprechtag verfahren werden soll. Es gibt den Vorschlag, die Sammelmappe zum Portfolio zu entwickeln.
  • Ein weiteres Ziel besteht darin, das Materialangebot und die Lerninhalte in der Lernraumgestaltung enger miteinander zu verzahnen. Der Bezug des Lernziels (Das will ich lernen) zum auszuwählenden Material (Damit kann ich das Gewünschte lernen) soll auf diese Weise noch klarer strukturiert und gekennzeichnet werden und das individuelle Lernen für die Kinder erleichtern. Eine gut strukturierte Präsenz der Lernmittel würde ebenso die unterstützende Arbeit der Lehrpersonen erleichtern.

Die bisherigen Erfahrungen bestärken die Lehrkräfte darin, dass sie die Kinder auf dem Weg zum selbstgesteuerten Lernen gut unterstützen können. Lernlandkarten, Lerntagebücher und Kindersprechtage zeigten sich im bisherigen Einsatz an unserer Schule als handhabbare Instrumente für Kinder, Lehrkräfte und Eltern. Kinder setzen sich früher und intensiver mit dem eigenen Lernen auseinander und übernehmen mehr Verantwortung dafür, Lehrkräfte erhalten Anlässe für lernbegleitende Gespräche mit dem Kind und Eltern können eine bessere Einsicht in den Lernweg ihres Kindes gewinnen.