Erfahren Sie mehr über Inklusion und die ZuP in Bremen in diesem Artikel.

Auf der Basis der Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen von 2006 hat sich das Land Bremen auf den Weg gemacht, die inklusive Beschulung aller Schülerinnen und Schüler zügig umzusetzen. Der für dieses Vorhaben entwickelte  Bremer „Entwicklungsplan Inklusion“ sieht die sukzessive, jährlich fortschreitende Einrichtung von Zentren für unterstützende Pädagogik (ZuP) in Grund- und Oberschulen vor.

Das ZuP soll als inklusiver Bestandteil einer Schule oder eines Schulverbundes verantwortlich für den gesamten Bereich der unterstützenden Pädagogik sein. Unterstützende Pädagogik fasst alle individuellen Fördermaßnahmen wie sonderpädagogische Förderung, LRS-Förderung, Sprachförderung oder Förderung bei besonderen Begabungen zusammen. Am Beispiel einer Bremer Grundschule werden im Folgenden Aufgabenschwerpunkte skizziert.                                                                                                                                                  

Das ZuP stellt keine (Sonder-) Schule innerhalb der allgemeinenSchule dar, sondern ist als Kompetenzpool unterschiedlicher Professionen zu verstehen. Hierzu gehören an meiner Schule - jeweils in Teilzeit- zwei Sonderpädagoginnen (eine ist gleichzeitig die Leiterin des ZuP), eine Grundschullehrerin, eine Referendarin für Inklusive Pädagogik und eine Assistenz für zwei körperbehinderte Kinder. Die Leiterin des ZuP ist Mitglied des Schulleitungsteams und somit in die Schul- und Unterrichtsentwicklung der Grundschule fest integriert.  Sie trägt Verantwortung für die Entwicklung und Umsetzung des Förderkonzeptes der Schule sowie für die Planung, Organisation und Evaluation der Förderressource. Die für die Wahrnehmung der Aufgaben der ZuP-Leitung erforderlichen Leitungsstunden müssen gegenwärtig noch aus dem Kontingent der Förderstunden genommen werden. Im ZuP-Team tauschen sich die Mitarbeiterinnen regelmäßig über laufende Fördermaßnahmen, einzuleitende diagnostische Verfahren, Gespräche mit Eltern und die Einbeziehung außerschulischer Beratungs- und Unterstützungsangebote aus. Außerdem stellt die Weiterentwicklung des inklusiven Unterrichts- und Schulkonzeptes einen fortlaufenden Arbeitsschwerpunkt dar. Zu den diagnostischen Aufgaben gehören neben Förderdiagnostik und sonderpädagogischer Feststellungsdiagnostik auch die Durchführung und Auswertung schulinterner Lernstandserhebungen. Die Hauptaufgabe des ZuP und vorrangig der Sonderpädagoginnen ist die inklusive Förderung von Schülerinnen und Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf in den Bereichen Lernen, Sprache und Verhalten. Kinder mit höherem Förderbedarf (Wahrnehmung und Entwicklung oder mehrfach behinderte Kinder) werden weiterhin an Kooperationsstandorten beschult.

Besteht in einer Schule, z. B. durch jahrgangsübergreifenden Unterricht, bereits eine differenzierte Haltung gegenüber Individualität sowie eine hohe Kompetenz in der Gestaltung von Unterricht mit heterogenen Lerngruppen, bildet dies für die Entwicklung inklusiver Unterrichtsformen eine gute Ausgangsbasis. Ansätze inklusiver Fördermaßnahmen im Unterricht sind die Schaffung individueller Zugänge zu Lerninhalten, die Erstellung differenzierter Tages- bzw. Wochenpläne oder das Vereinbaren und Reflektieren von Zielen zum Arbeits- und Sozialverhalten. Die Übernahme von Unterrichtsanteilen durch die Sonderpädagogin oder die Durchführung von Unterrichtssequenzen im Team sind wesentliche Elemente der inklusiven Förderung. Da Förderung in Form von Doppelbesetzung aus Ressourcengründen begrenzt ist (zur Zeit 4-6 Std./Woche pro Lerngruppe je nach Förderbedarf) stellt die Beratung der Kolleginnen einen weiteren Aufgabenschwerpunkt des ZuP dar. Inklusive Förderung verlangt von allen Beteiligten ein hohes Maß an Teamarbeit. Die Kolleginnen des ZuP sind in Klassen- und  Jahrgangsteams und in allen schulischen Gremien vertreten.

Das ZuP der Grundschule als aufnehmende Institution arbeitet eng mit dem Elementarbereich zusammen. Durch Hospitationen, Übergabegespräche und dem Austausch mit dem schulärztlichen Dienst bekommt das ZuP einen guten Überblick über den Einschulungsjahrgang und kann frühzeitig Maßnahmen initiieren. Der Übergang nach Klasse 4 (Funktion als abgebende Institution) wird in Zusammenarbeit mit dem ZuP der Oberschule gestaltet und ermöglicht einen hilfreichen Austausch über individuelle Lernausgangslagen der Schülerinnen und Schüler.

Darüber hinaus gehört die Kooperation mit außerschulischen Institutionen (z.B. fachspezifischen Beratungsstellen, Kinderärzten, dem Amt für soziale Dienste) zu den verbindlichen Aufgaben eines ZuP, um die Fördermaßnahmen für die Schülerinnen und Schüler bestmöglich zu koordinieren.

Stefanie Wolters

Leiterin ZuP Schule am Pfälzer Weg, Bremen

(für Grundschule aktuell 02/2012: Inklusive Schule)